April 13, 2026

Hitzeschutz im Betrieb: Was Unternehmen tun können

Hohe Temperaturen erhöhen Fehler, das Unfallrisiko und Ausfälle. Für KMU zählen bei Hitze vor allem: schnell umsetzbare Maßnahmen, klare Verantwortlichkeiten und ein einfacher Plan für heiße Tage. In diesem Beitrag finden Sie eine praxisnahe Struktur, die sich an den Empfehlungen von u. a. BAuA, RKI und BG BAU orientiert.

Ab wann liegt eine Hitzebelastung im Betrieb vor?

Grundsätzlich gilt: Die Raumtemperatur im Betrieb sollte 26 Grad nicht übersteigen. Ab 30 Grad Innentemperatur werden Maßnahmen gesetzlich erforderlich – ab 35 Grad ist Arbeiten nur unter besonderen Schutzmaßnahmen möglich.1

Eine besondere Gefährdung bei Hitze liegt vor, wenn Beschäftigte mehr als 15 Minuten Temperaturen von mindestens 45 Grad ausgesetzt sind. Bei einem arbeitsrelevanten Aufenthalt von mindestens 4 Stunden pro Schicht bei hohen Temperaturen von über 30 Grad sowie bei unmittelbarer Wärmestrahlung im Gesicht. 2

Wo staut sich Hitze ganz besonders?

  • in Hallen, Produktionen, Büros, im Dachgeschoss und in schlecht belüfteten Räumen 
  • bei Bau-, Montage- und Dacharbeiten, in der Landwirtschaft, auf Logistikflächen 
  • bei körperlicher Arbeit, beim Tragen von PSA, bei Prozesswärme oder direkter Sonneneinstrahlung

Welche Risiken entstehen bei Hitze am Arbeitsplatz?

Die größten Risikofaktoren bei Hitze im Betrieb liegen hauptsächlich in der geminderten Leistungsfähigkeit. So können übermäßige Temperaturen u. a. zu Kopfschmerzen und dem Nachlassen der Konzentration führen. Bei direkter Sonneneinstrahlung oder bei Tätigkeiten im Freien können solare UV-Strahlungen aber auch zu ernsten Risiken wie Haut- und Augenschäden führen.

Auch Allergene wie Heuschnupfen o. ä. müssen bei höheren Temperaturen berücksichtigt werden. Bei Außentätigkeiten zählen außerdem externe Faktoren wie Extremwettereignisse durch Gewitter zu den arbeitsschutzrelevanten Risikofaktoren.3

Besonders gefährdete Personengruppen

Bei betrieblichen Hitzekonzepten sollte vor allem Rücksicht auf besonders gefährdete Gruppen genommen werden. Dazu gehören:

  • neue Mitarbeitende
  • Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen wie z. B. Diabetes
  • Schwangere
  • Mitarbeitende mit Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern
  • Personen, die vorzugsweise draußen arbeiten
  • Personen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen
  • Personen mit Nieren- und Atemwegserkrankungen
  • Personen mit regelmäßiger Arzneimitteleinahme

Hohe Temperaturen im Betrieb können die Symptomatik bereits bestehender Vorerkrankungen grundsätzlich verschlimmern. Deshalb gilt, insbesondere die Risikogruppen im Auge zu behalten.4

Was kann ich als Führungskraft bei Hitze tun?

  • Heute umsetzbar: ausreichend Trinkwasser bereitstellen, Pausenregelung bestimmen, genügend Schattenplätze schaffen, Lüftungsregeln festlegen, Tagesplanung anpassen
  • Innerhalb von 2 Wochen: Erstellen eines Hitzeschutzplans, Messpunkte und Hotspots bestimmen, Unterweisung, Schicht- und Startzeiten definieren
  • Langfristig: das Bereitstellen von Sonnenschutz und atmungsaktiver PSA, Einführen organisatorischer Standards sowie Kühlungs- und Lüftungsanlagen

Praxis-Hinweis:

Eine Standardisierung im Hitzeschutz spart jedes Jahr Zeit, Krankheitstage, Ausfälle und Folgeschäden.

Checkliste: Hitzeschutz im Betrieb

Für einen Überblick haben wir eine Checkliste zusammengestellt, in der alle wichtigen Maßnahmen für den Hitzeschutz zusammengefasst sind. So können Unternehmen auf einen Blick sehen, wie Hitzeschutz am Arbeitsplatz gewährleistet werden kann:

Was müssen KMU rechtlich gesehen bei Hitze tun?

Vor allem sollten betriebliche Hitzeschutzpläne klare Verantwortungsrollen bestimmen und gezielte Maßnahmen ohne Paragrafenwüste entwickeln.

Im Rahmen des Arbeitsschutzes sollte Hitze in jedem Fall in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Die Unterweisung der Mitarbeitenden ist unerlässlich, um eine strukturierte Organisation bei Hitzevorkommen garantieren zu können.

Dazu gehören v. a. die Kernfragen: Wer entscheidet bei Hitzestufen? Wie wird kommuniziert und umgesetzt?

Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip

In der Gefahrenprävention gibt es eine einfache Denkhilfe, Risiken sauber zu priorisieren: die TOP-Regel

T steht für die technischen Maßnahmen: Gibt es bestimmte Absicherungen, Geländer, technische Sicherheitsunterstützung?

O steht für die organisatorischen Maßnahmen: Dazu gehören Unterweisungen, klare Abläufe, Freigaben etc.

P steht für Persönliche Maßnahmen: Alles, was den Einzelnen schützt wie die Persönliche Schutzausrüstung (PSA).

Beispiel bei Hitze:

T: Gibt es Schutzvorrichtungen wie Sonnenschirme o. ä.?

O: Sind alle Beteiligten unterwiesen worden?

P: Gibt es eine luftdurchlässigere PSA? Haben die Mitarbeitenden Zugang zu kühlenden Maßnahmen wie Ventilatoren o. ä.?

Welche Warnzeichen sind zu beachten?

Um bei Hitzebelastung schneller reagieren zu können, sollten folgende Warnzeichen5 besonders beobachtet werden:

  • starker Durst
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Konzentrationsprobleme
  • Übelkeit
  • Erschöpfung
  • heiße, gerötete Haut
  • Kreislaufprobleme

Betriebliches Handeln bei Hitze

Hitzeschutz im Betrieb beginnt nicht erst bei akuter Überlastung, sondern bei einer guten Vorbereitung. Unternehmen, die bei hohen Temperaturen festlegen rechtzeitig Maßnahmen , schützen ihre Beschäftigten, vermeiden Störungen im Ablauf und erfüllen zugleich ihre Pflichten im Arbeitsschutz. Gerade für KMU lohnt sich ein einfacher, klarer Hitzeschutzplan, der im Ernstfall schnell umgesetzt werden kann. So wird aus einem sommerlichen Risiko ein beherrschbarer Teil der betrieblichen Organisation.

  1. BauA: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ↩︎
  2. Schoierer, J., Mertes, H., Deering, K., Böse-O’Reilly, S. und Quartucci, C. (2021) ‘Hitzebelastungen im Arbeitssetting: die Sicht der Arbeitsmedizin’. In: Günster, C., Klauber, J., Robra, B.-P., Schmuker, C. und Schneider, A. (Hrsg.) Versorgungs-Report: Klima und Gesundheit. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ↩︎
  3. Bauer, S., Bux, K., Dieterich, F., Gabriel, K., Kienast, C., Klar, S. und Alexander, T. (2022) Klimawandel und Arbeitsschutz. 1. Aufl. Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). ↩︎
  4. Winklmayr, C., Matthies-Wiesler, F., Muthers, S., Buchien, S., Kuch, B., an der Heiden, M. und Mücke, H.-G. (2023) ‘Hitze in Deutschland: Gesundheitliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention’, Journal of Health Monitoring, 8(S4), S. 3–34. doi: 10.25646/11645. ↩︎
  5. Brettenhofer, M., Schmidt, A. E. und Brugger, K. (2025) Hitzeschutz in der mobilen Pflege und Betreuung älterer Menschen: Einblicke in die Praxis der Hauskrankenpflege und der Mobilen Hilfsdienste Vorarlberg und deren Lösungen. Wien: Gesundheit Österreich GmbH. ↩︎

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